Rückkehr nach Elbyndæl

Lange ist es her, dass es Abenteurer in den Süden Æmberwyns zog, zu dem Handelsposten Elbyndæl an der Grenze zum Alten Wald, einem wichtigen Stützpunkt der Handelsroute in das Kalifat von Assan Dor.

Doch nun hatte vor einem Jahr ein Priesterpaar aus Æmberwyn mit Hilfe zahlreicher Scholaren und Abenteurer in den elfischen Ruinen nahe Neu-Dephilon ein seltsames magisches Artefakt gefunden, das den Schlüssel zu dem Blut Elbors darstellen soll. Dieses ist eine heilige Reliquie der Kirche des göttlichen Paares, denn Elbor gilt nach den Ringschriften nicht nur als erster Elf, sondern damit auch als Stammvater aller Menschen, die nicht nach dem ersten Buch von einer Elfe und dem Erzengel Duamvæn abstammen sollen. Das Blut Elbors ist seit Urzeiten verschollen. Angeleitet von alten Sagen und Legenden hofft das Priesterpaar nun, mit Hilfe dieses Schlüssels das Blut Elbors im Alten Wald zu finden. Hierzu haben sie einen Aufruf in ganz Æmberwyn verbreiten lassen, der sicherlich nicht nur ehrbare Gelehrte, Söldner und Abenteurer anziehen wird, sondern auch Betrüger, Scharlatane und zwielichtige Gesellen, die sich die Suche nach diesem heiligen Talisman zu Nutze machen oder gar sich denselben aneignen wollen:

„Höret, höret!

Gläubige des Göttlichen Paares, Gelehrte, Magier, Recken und Abenteurer,

vor vielen Monden haben uns Beorn und Semiramis in Ihrer Göttlichen Weisheit dazu berufen die Heilige Reliquie des Elbor zu finden, sein Blut, das er seinem Kind Arinion zum Geschenk machte und das seit Arinions schrecklichen Taten von den Hochelben verborgen wurde. Denn Elbor war nicht nur der Stammvater aller Elben, auch das Menschengeschlecht geht auf ihn zurück. Angesichts der Makel, die die Kirche befallen haben, angesichts der Bedrängnis, unter der alle Gläubigen leiden, wäre diese Heilige Reliquie das Licht, das uns zur Erneuerung, zur Wiederherstellung von Reinheit, Tugend und Ordnung führen kann, zur Restauratio.

Und vor wenigen Monden war dieser schwierige Pfad, den wir beschritten hatten, Dank der göttlichen Fügungen und der vielen Helfer, die uns von der Erzengel Macht zugeführt wurden, von Erfolg gekrönt. Unter der Führung des Göttlichen Paares und seiner Erzengel wurden wir in den elbischen Ruinen nahe Neu-Dephilon zu dem Schlüssel von Elbors Blut geleitet.

Doch unsere Suche ist damit nicht zu Ende. Was wir fanden ist nur ein Schlüssel und nicht das Schloss, das er öffnen soll. Alte Legenden wiesen in den Valdehart, auch bekannt als der Alte Wald, in dem wir nun demütigst erhoffen dürfen, mit der Hilfe des Schlüssels auch die Heilige Reliquie selbst, das Blut Elbors, zu finden.

Darum rufen wir Euch alle zur Hilfe auf. Jene, die uns schon letztes Jahr auf der Heiligen Queste begleiteten und dabei halfen den Schlüssel zum Blut Elbors zu bergen ebenso wie all jene, die sich unserer Göttlichen Aufgabe neu anschließen wollen. Sucht Hinweise in alten Sagen und Legenden der Hochelben, bergt Schriftrollen und Artefakte, die uns Fingerzeige auf den Verbleib des Blutes Elbors geben können und lasst uns alle in Elbyndæl am Rand des Alten Waldes wieder zusammentreffen.

Gegeben im Namen des Göttlichen Paares, Beorn und Semiramis,

durch Ihre demütigsten Diener

Erling und Kuenna“

Doch auch aus Elbyndæl selbst gibt es in letzter Zeit beunruhigende Gerüchte.

Nach Jahren der Ruhe und des Friedens scheinen Räuber wieder die Handelsstraße durch den Alten Wald in das Kalifat unsicher zu machen. Mehr als eine Karawane konnte nur mit knapper Not den Räubern entkommen, andere sind ganz verschwunden. Die Elfen, denen der Alte Wald zum Lehen gegeben wurde, scheinen mit dieser neuen Gefahr nicht recht fertig zu werden.

Auch von den Elfen hört man, dass dieses einst so friedvolle und geeinte Volk nun Zwist in den eigenen Reihen kennt, gleichwohl man den Fremden nicht erzählen will, was diesen Streit verursacht. Jedenfalls scheint es einige Elfen zu den Ruinen ihrer Vergangenheit zu ziehen, wo sie dort beginnen wieder den Abbildern ihrer Götzen zu huldigen.

Auch in Elbyndæl herrscht Unruhe. Die häretische Sekte, die vom nahenden Ende der Welt predigt, scheint hier ein Zentrum zu haben, was nicht Wunder nimmt, wenn man bedenkt, dass der Gründer, der als Oswyck bekannte Heiler und Prediger, an diesem Ort für seine ketzerischen Lehren vor vielen Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war. Nun verkaufen windige Devotionalienhändler in dunklen Ecken angebliche Reliquien des toten Oswyck: Asche und Holzkohle von seinem Scheiterhaufen, verbrannte Fetzen seines Gewandes und Knochensplitter von seinem Leichnam. Seit der – von der offiziellen Kirche zutiefst verdammten – Heiligsprechung des ehemaligen Fürsten Fælwyn von der Brücken werden auch von diesem Reliquien veräußert. Auch wenn die Templer, der miliitante Arm der Kirche, immer wieder versuchen, dieser Menschen und der Pilger zu Oswycks Todesstätte Herr zu werden, tauchen sie wieder auf, wie ein Geschwür, dass sich jeder Heilkunst widersetzt.

Derweil gibt es auch Vergnügliches zu berichten: So hat die Freiherrin von Elbyndæl ein Turnier zu Ehren des Templers Tristan ausgerufen, der vor einigen hundert Jahren seine letzte Ruhe im Alten Wald gefunden hat und in dessen Gruft vor ein paar Jahren eine paar Templer mit Hilfe von Abenteurern die Drachenblutreliquie ihres Ordens bergen konnten. Auf dem Turnier soll es sowohl Wettbewerbe für adlige Rittersleute ebenso wie für das einfache Volk geben. Jeder ist herzlichen willkommen.